Thema: Mut

Mit allen Sinnen sein

Das waren die Jüdischen Kulturtage Rhein-Ruhr 2025

Text: Eugen El · 15.10.2025

Ausstellungen, Lesungen, Konzerte, Synagogenführungen – und ganz viel Essen: Vom 24. bis 30. Juni 2025 fanden im Rheinland, Ruhrgebiet und Bergischen Land über 85 Veranstaltungen statt. Nach sechsjähriger Pause kehrten die Jüdischen Kulturtage Rhein-Ruhr zurück – und erweckten ihr Motto „Mit allen Sinnen“ eindrücklich zum Leben.

Mit den Händen: der Challah-Workshop in Krefeld

Mit bloßen Händen kneten die Teilnehmerinnen – Jung und Alt, Gemeindemitglieder und Gäste – den zuvor eigenhändig angemischten Hefeteig. „Kneten, was das Zeug hält!“, motiviert Natalia Wagner die um mehrere Tische versammelten Frauen. Während der Teig aufgeht, führt sie die Gruppe durch Gemeindezentrum und Synagoge.

Dass es in einer Synagoge auch mal laut zugeht, erfahren die Gäste von Geschäftsführerin Elina Shirel Hegedüs: „Man tauscht sich hier auch aus, und es laufen Kinder herum.“ Ehrfürchtig blicken die Frauen, als Wagner den Toraschrein öffnet und mehrere Torarollen zum Vorschein kommen lässt.

Ausgelassene Stimmung beim Challah-Workshop in der Jüdischen Gemeinde in Krefeld.
Ausgelassene Stimmung beim Challah-Workshop in der Jüdischen Gemeinde in Krefeld. Foto: Ilja Kagan / Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein
Der Kinderchor der Yitzhak-Rabin-Grundschule begeisterte das Publikum.
Der Kinderchor der Yitzhak-Rabin-Grundschule begeisterte das Publikum. Foto: Ilja Kagan / Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein

Mitreißender Auftakt für über 85 Veranstaltungen

Zur Eröffnung kamen am 23. Juni zahlreiche Gemeindemitglieder sowie Partner aus Politik, Kultur und Gesellschaft im Robert-Schumann-Saal des Düsseldorfer Kunstpalast zusammen. Die Freude über das nach sechs Jahren zurückgekehrte Festival wurde, wie Vorstandsvorsitzender Dr. Oded Horowitz anmerkte, von aktuellen Ereignissen überschattet – ganz aktuell von der militärischen Auseinandersetzung zwischen Israel und Iran.

Jetzt erst recht.

— Die Antwort auf die Frage, ob die Zeit reif sei, jüdische Kultur in die Öffentlichkeit zu tragen

Die vom Publikum umjubelten Auftritte des Schulchors der Yitzhak-Rabin-Grundschule Düsseldorf und des Musikers Mendel Wonder sorgten für einen mitreißenden Auftakt der Jüdischen Kulturtage.

Zur Eröffnung im Robert-Schumann-Saal des Düsseldorfer Kunstpalast kamen zahlreiche Gäste.
Zur Eröffnung im Robert-Schumann-Saal des Düsseldorfer Kunstpalast kamen zahlreiche Gäste. Foto: Ilja Kagan / Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein
Der Auftritt von Mendel Wonder war ein Highlight der Eröffnungsfeier.
Der Auftritt von Mendel Wonder war ein Highlight der Eröffnungsfeier. Foto: Ilja Kagan / Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein
Das Logo der Jüdischen Kulturtage Rhein-Ruhr 2025 in der Kuppel des Kunstpalast.
Das Logo der Jüdischen Kulturtage Rhein-Ruhr 2025 in der Kuppel des Kunstpalast. Foto: Ilja Kagan / Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein
v. l. n. r.: Artour Gourari, Thomas Schürmann, Josefine Paul, Dr. Stephan Keller, Dr. Oded Horowitz und Dr. Michael Reitemeyer.
v. l. n. r.: Artour Gourari, Thomas Schürmann, Josefine Paul, Dr. Stephan Keller, Dr. Oded Horowitz und Dr. Michael Reitemeyer. Foto: Ilja Kagan / Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein

Jüdische Spuren in der Bildenden Kunst

Nicht nur Gesang und Klang eröffnen Zugänge zu jüdischer Kultur. Bei der Führung im Von der Heydt-Museum Wuppertal am 25. Juni zeigte Dr. Henrike Stein, wie das Judentum die künstlerische Identität von Jankel Adler prägte – und wie Werke von Brüchen in jüdischen Biografien erzählen. Das 1921 von Max Liebermann gemalte Bildnis Felix Benjamins war in der NS-Zeit enteignet worden.

Wir haben das Werk offiziell restituiert und zu einem marktüblichen Preis zurückerworben.

— Dr. Henrike Stein, Von der Heydt-Museum Wuppertal
Dr. Henrike Stein führte durch die Sammlung jüdischer Künstler*innen im Von der Heydt-Museum Wuppertal.
Dr. Henrike Stein führte durch die Sammlung jüdischer Künstler*innen im Von der Heydt-Museum Wuppertal. Foto: Anja Bergmann
Zu jeder Museumsführung stellte der Landesverband ein koscheres Catering zur Verfügung.
Zu jeder Museumsführung stellte der Landesverband ein koscheres Catering zur Verfügung. Foto: Friederike Jenderek

Kulturübergreifende Verarbeitung

Eigene visuelle Umsetzungen für jüdische und israelische Motive zu finden, ist auch für Makoto Tanaka ein wesentliches Anliegen. Am 27. Juni stellte die japanische Manga-Künstlerin im Düsseldorfer Me and All Hotel ihre Comics vor und vermittelte den Teilnehmenden die Grundlagen des Manga. Die Veranstaltung zeigte: gelebte Solidarität mit Israel ist auch in „Zeiten der Bewährung“ möglich.

Mangakünstlerin Makoto Tanaka stellte ihre Arbeit im Düsseldorfer Me and All Hotel vor.
Mangakünstlerin Makoto Tanaka stellte ihre Arbeit im Düsseldorfer Me and All Hotel vor. Foto: Ilja Kagan / Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein

Korrektiv in der Israel-Berichterstattung

Eine laute und starke Stimme sein: Darin sieht Philipp Peyman Engel, Chefredakteur der „Jüdischen Allgemeinen“, die Rolle seiner Redaktion. „Wir versuchen abzubilden und zu schreiben, was ist“, sagte Engel am 25. Juni im Bürgerhaus Benrath. Trotz seiner Sorge über die Lage der Jüdinnen und Juden in Deutschland zeigte er sich ermutigt vom Echo auf sein Buch „Deutsche Lebenslügen“.

Es gibt da draußen mehr Verbündete, als man glaubt.

— Philipp Peyman Engel, Chefredakteur „Jüdische Allgemeine“
Philipp Peyman Engel und Dr. Kathrin Pieren sprachen über die Herausforderungen für jüdische Medien.
Philipp Peyman Engel und Dr. Kathrin Pieren sprachen über die Herausforderungen für jüdische Medien. Foto: Friederike Jenderek

Über die Festivalwoche hinweg machten die Jüdischen Kulturtage Rhein-Ruhr 2025 jüdisches Leben in seiner ganzen Vielfalt erfahrbar – mit allen Sinnen.